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Masern in München breiten sich weiter aus – auch erste Säuglinge betroffen

Die Masernimpfung wird bei Babys nicht vor dem 12. Lebensmonat empfohlen.

15.05.2013 - Die Masernwelle in München breitet sich weiter aus. Inzwischen sind seit Anfang April mehr als 50 Fälle gemeldet worden. Leider sind nun auch erste Säuglinge betroffen. Und für diese Kinder besteht ein erhöhtes Risiko, an einer seltenen aber schweren Spätfolge der Masern zu erkranken, der so genannten subakuten sklerosierenden Panenzephalitis – einer chronischen Maserngehirnentzündung - kurz SSPE genannt. „Diese unheilbare Erkrankung kommt sehr selten vor – je jünger das Infektionsalter aber ist, desto höher ist das Risiko, daran zu erkranken. Die SSPE bricht etwa 3-5 Jahre nach einer durchgemachten Masernerkrankung aus. Die Masernviren gelangen dabei in das Gehirn und beginnen sich dann dort zu vermehren. Als Folge dieses Prozesses sterben die Nervenzellen im Gehirn ab, und immer mehr Funktionen gehen verloren. Die Kinder können nicht mehr laufen und verlieren ihre Sprache. Sie geraten schließlich in eine Art Wachkoma und sterben an den Folgen der Masern. Daher raten wir allen Eltern mit Säuglingen, größere Menschenmassen unbedingt zu meiden“, warnt Dr. Brigitte Dietz, 1. stellvertretende Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Bayern. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt die Masernimpfung erst ab dem 12ten Lebensmonat.

 

Mit Säuglingen Menschenansammlungen meiden – Ärzte raten zur Impfung vor den Pfingstferien


„Wir können unsere kleinen Patienten im ersten Lebensjahr leider nicht gegen Masern impfen. Gleiches gilt natürlich für Menschen mit einem angeborenen Immundefekt oder für Patienten, die z.B. aufgrund einer Chemotherapie ein geschwächtes Immunsystem haben. All diese Personen sind auf  den Schutz der sie umgebenden Menschen angewiesen. Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene mit unklarem Immunstatus sollten sich jetzt unbedingt impfen lassen. Nicht nur zum eigenen Schutz – sondern auch, um andere vor einer Ansteckung zu schützen und die weitere Ausbreitung der Masern zu stoppen“, appelliert Dietz. Der Berufsverband der Pädiater rät dazu, noch vor den Pfingstferien zum Arzt zu gehen. „Bereits etwa 7 Tage vor dem für Masern typischen Krankheitsbild kann man hochansteckend sein. In einem Raum mit 100 ungeschützten Personen stecken sich 99 mit Masern an. Es wäre daher fatal, wenn die Masern über die Pfingstferien von München aus in die ganze Welt exportiert würden. Der Impfschutz baut sich schneller auf, als die Infektion sich im Körper ausbreiten kann. Durch eine Impfung kann also der Ausbruch einer Masernerkrankung noch verhindert werden, wenn das gefährliche Virus bereits im Körper ist“, erläutert Dietz.

 

Fragen zu Masern oder Impfstatus beantworten Jugendärzte auch online unter www.facebook.com/jugendaerzte

 

Quelle: Deutsche Jugendärzte im Netz

Warum die Masernimpfung so wichtig ist

Die Stiftung Kindergesundheit informiert über die alarmierende Zunahme der gefährlichen Viruskrankheit Masern

 

Im nächsten Jahr sollte es soweit sein: Nach dem vor 25 Jahren gefassten Entschluss der Weltgesundheitsorganisation WHO sollten nach den Pocken und der Kinderlähmung bis 2010 auch die Masern weltweit zum Verschwinden gebracht werden. Doch daraus wird wohl nichts, bedauert die in München beheimatete Stiftung Kindergesundheit. Es muss sogar mit neuen Epidemien gerechnet werden. Seit Anfang des Jahres sind allein in Hamburg mehr als 100 Masernfälle gemeldet worden. In der Schweiz sind mehr als 50 Menschen an Masern erkrankt. Dort hat die Epidemie bereits ein erstes Todesopfer gefordert: Ein 12-jähriges Mädchen starb an einer durch die Masernviren ausgelösten Hirnentzündung (Enzephalitis).

Eine gesetzliche Pflicht, ihre Kinder impfen zu lassen, gibt es für deutsche Eltern (noch) nicht. „Allerdings gefährden Eltern, die ihrer elterlichen Sorge zum Impfen nicht nachkommen, nicht nur die Gesundheit des eigenen Kindes, sondern auch die anderer Menschen“, betont der Münchner Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit mit großem Nachdruck. „Besucht ein ungeimpftes Kind eine Kindertagesstätte, einen Kindergarten oder eine Schule, besteht einerseits für dieses Kind selbst das Risiko, dort angesteckt zu werden, andererseits besteht auch die Gefahr, dass dieses Kind andere ungeschützte Kinder ansteckt“.

 

Ohne Impfung droht Gefahr

Die Ansteckung mit Masern in Gemeinschaftseinrichtungen bringt besonders Kinder in Gefahr, die aufgrund einer so genannten Kontraindikation nicht geimpft werden können, zum Beispiel bei einer angeborenen Immunstörung oder weil sie wegen einer bösartigen Krankheit eine Immunitätsunterdrückende Behandlung erhalten. Ebenfalls gefährdet sind junge und deshalb nach den Empfehlungen der STIKO noch nicht vollständig geimpfte Babys und kleine Kinder im ersten und zweiten Lebensjahr.

Zur Bekämpfung der Krankheit empfiehlt die WHO eine Durchimpfung von mindestens 95 Prozent der Bevölkerung mit dem Dreifachimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln.

Für die erste Impfspritze wird dieser Wert unter den Zweijährigen in Deutschland annähernd erreicht. Die zweite empfohlene Impfung erhalten allerdings nur rund 80 Prozent der Kleinkinder, und das ist zu wenig.

 

Deutschland exportiert Viren

Die Exportnation Deutschland gehört leider auch im Falle der Masern zu den Hauptexporteuren der Krankheit, sagt die amerikanische Seuchenbehörde CDC. Sie führt einen Großteil der in den USA aufgetretenen 50 Erkrankungen an Masern im ersten Halbjahr 2008 auf den Import aus Europa zurück, vor allem aus Deutschland, der Schweiz, Großbritannien, Rumänien und Italien.

 

Die amerikanischen Masernfälle sind jedoch geradezu „Peanuts“, wenn man sie mit den europäischen Größenordnungen vergleicht, konstatiert die Stiftung Kindergesundheit. Um das von der Weltgesundheitsorganisation für 2010 anvisierte Ziel der Masernelimination zu erreichen, dürften in Deutschland jährlich nur bis zu 85 Erkrankungen auftreten. 2008 registrierte das Robert-Koch-Institut jedoch 912 Masernfälle in Deutschland, fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor (566 Kranke). In diesem Jahr 2009 sind der Berliner Gesundheitsbehörde bereits bis Ende Januar schon 61 Erkrankungen gemeldet worden.

 

Seit dem Ausbruch der Masernepidemie in der Schweiz vor zwei Jahren sind dem dortigen Bundesamt für Gesundheit (BAG) 3400 Erkrankungen gemeldet worden, in diesem Jahr waren es bereits 50 Fälle. Seit November 2006 zählten die Schweizer Behörden über 250 Klinikeinweisungen und 500 Komplikationen. Dazu gehörten gut 140 Lungenentzündungen sowie acht Gehirnhautentzündungen, eine davon mit tödlichem Ausgang.

 

Eine Pflicht zur Impfung?

Angesichts der bedrohlichen Lage erwägen die Schweizer Behörden bereits die Einführung einer Pflichtimpfung („Masern-Impfobligatorium“). In Deutschland fordert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte BVKJ einen Impfnachweis für alle Kinder, die Gemeinschaftseinrichtungen besuchen, etwa nach dem amerikanischen Vorbild „no vaccination – no school“. Das bedeutet: Kein Kind sollte ohne einen vollständigen Impfstatus eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen. Diese einfache Regelung könnte den Weg aus dem Masern-Dilemma weisen.

Mit ihrer Hilfe ist die Krankheit in Nord- und Südamerika, in den skandinavischen Ländern und in vielen anderen Ländern der Erde bereits eliminiert worden.

 

Masern ist längst keine Kinderkrankheit mehr

Der aktuelle Ausbruch in Hamburg ist typisch für die Altersverschiebung der Krankheit ins Jugendlichen- und Erwachsenenalter. Die Masernwelle in Hamburg ging von einem 27-jährigen Mann aus, der mit einem fieberhaften Infekt ins Krankenhaus kam und dort einen Klinikmitarbeiter sowie weitere Erwachsene im Wartebereich der Ambulanz angesteckt hat. Danach erkrankten Familienangehörige der Masernpatienten. Unter den ersten 59 Anfangsfällen waren hauptsächlich Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren mit 14 Fällen sowie junge Erwachsene im Alter von 20 bis 37 Jahren mit 17 Fällen betroffen.

 

Von einer „harmlosen“ Krankheit kann bei Masern keine Rede sein, betont die Stiftung Kindergesundheit. Das Masernvirus schwächt die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers und macht das betroffene Kind für Infektionen aller Art anfällig. Das führt dadurch häufig zu Lungenentzündungen, Mittelohrentzündungen, Vereiterungen der Nebenhöhlen und Entzündungen der Augen.

Außerdem ist das Virus „neurotrop“ („nervengängig“) und kann zu Störungen des Nervensystems führen. Bei vielen Kindern führt die Krankheit bei scheinbar komplikationslosem Verlauf zu zentralnervösen Auffälligkeiten, die sich nicht selten in Verhaltens- und Konzentrationsstörungen der Kinder über lange Zeit hin auswirken können. Am meisten gefürchtet ist die Masern-Enzephalitis, also eine Entzündung des Gehirns. Experten des Robert-Koch-Instituts rechnen auf 500 bis 2000 Masernerkrankungen einmal mit einer Masern-Enzephalitis. Die Sterblichkeit bei dieser schweren Komplikation ist hoch (zehn bis 20 Prozent).

 

 

SSPE – die seltene aber schlimmste Komplikation der Masern

Die Buchstaben SSPE bedeuten eine verhängnisvolle Diagnose: Subakute (also langsam verlaufende) sklerosierende (mit Gewebsumbau einhergehende) Panenzephalitis (Entzündung, die das gesamte Gehirn befällt). Diese Komplikation ist erst vor 40 Jahren 1969 als Spätfolge von Masern beschrieben worden.

SSPE wird zu den so genannten „Slow virus“-Erkrankungen gerechnet und tritt oft erst mehrere Jahre nach der durchgemachten Masernerkrankung auf. Sie beginnt mit Verhaltensauffälligkeiten und führt meist innerhalb von sechs bis zwölf Monaten (manchmal allerdings im Laufe mehrerer Jahre) unter fortschreitendem Abbau geistiger und motorischer Fähigkeiten zur Zerstörung des Gehirns und schließlich zum Tod.

 

Die Stiftung Kindergesundheit stellt nachdrücklich fest: Durch die Impfung ihres Kindes übernehmen Eltern auch Verantwortung für die Gesellschaft. Sie tragen dazu bei, den Impfschutz der Bevölkerung, die so genannte Herdenimmunität zu verbessern. Professor Dr. Berthold Koletzko: „Alle Eltern sollten wissen: Keine andere Maßnahme der Medizin hat bisher mehr Leben gerettet als die Impfungen“.

 

Quelle: 2009 www.kindergesundheit.de

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