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Keuchhusten gefährdet Säuglinge - Viele Erwachsene in Deutschland ohne Pertussis-Impfschutz

Nur etwa einer von 20 Erwachsenen in Deutschland ist ausreichend gegen Keuchhusten geimpft. Nach einer aktuellen Umfrage sind auch viele Menschen unzureichend geschützt, die durch direkten Kontakt Säuglinge anstecken könnten. Bei Babys kann der Infekt lebensbedrohlich verlaufen. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) fordert dazu auf, kombiniert mit der Impfung gegen Tetanus und Diphtherie auch gegen Keuchhusten zu impfen. Dies geschieht nach den aktuellen Erkenntnissen des Robert Koch-Instituts (RKI) kaum, wie Experten in der Fachzeitschrift DMW “Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2013) schreiben.


Nicht nur Säuglinge und Kleinkinder können an Keuchhusten erkranken. Eine Infektion mit dem Bakterium Bordetella pertussis ist in jedem Lebensalter möglich, berichtet Merle M. Böhmer, Autorin der Studie des RKI in Berlin: Rund 70 Prozent aller Keuchhustenfälle in Deutschland treten bei Erwachsenen auf. Die Erkrankung verlaufe bei ihnen zwar leichter.

 

Oft halte der Keuchhusten aber über mehrere Wochen an. „Während dieser Zeit können die Erwachsenen Säuglinge infizieren, die noch nicht geimpft sind“, warnt Professor Dr. med. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut rät deshalb allen Erwachsenen, sich regelmäßig gegen Keuchhusten impfen zu lassen. Dies gelte insbesondere für Menschen, die Kontakt zu Säuglingen haben. Und es betreffe Frauen im gebärfähigen Alter, denn sie könnten nach der Geburt ihr Baby anstecken.

 

Der Impfschutz muss alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Doch in zwei Umfragen des Robert Koch-Instituts an mehr als 40 000 Menschen gaben nur 5,9 Prozent der Erwachsenen an, in den letzten 10 Jahren gegen Keuchhusten geimpft worden zu sein. Auch in den Risikogruppen – Menschen mit Kontakt zu Kindern unter einem Jahr und zu gebärfähigen Frauen – waren es nur 10,7 Prozent. Die Impfempfehlungen würden bisher völlig unzureichend umgesetzt, findet Böhmer. In den neuen Bundesländern sind mit 19,2 Prozent etwa doppelt so viele Risikopersonen geimpft wie in den alten Bundesländern. Doch auch das sei bei Weitem nicht ausreichend.

 

Um die Impfquote zu erhöhen, wäre die Kombination von Keuchhusten- und TetanusImpfung sinnvoll. Denn die meisten Tetanus-Auffrisch-Impfungen nehmen Ärzte vor, wenn Menschen mit Verletzungen zu ihnen kommen. Dabei könnten sie einen KombinationsImpfstoff verwenden, der zugleich vor Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten schützt. Die STIKO empfiehlt ihn seit 2009 für jeden Erwachsenen, für Risikogruppen bereits seit 2001.

 

Dennoch setzten im Jahr 2007 drei Viertel der Kliniken einen ausschließlichen TetanusImpfstoff ein, die anderen eine Tetanus-Diphtherie-Kombination. Den Dreifachimpfstoff verwendeten Krankenstationen nur für 3,5 Prozent aller Impfungen, in den Notfallaufnahmen sogar nur für 0,4 Prozent.

Die DGIM bedauert die geringe Bereitschaft zur Keuchhusten-Impfung im Erwachsenenalter. „Das Festhalten an dem alten Tetanus-Impfstoff ist aus unserer Sicht nicht mehr zeitgemäß“, sagt Professor Fölsch: „Keuchhusten ist auch bei Erwachsenen keine banale Erkrankung. Vor allem bei Abwehrgeschwächten kann es zu Komplikationen wie Lungenentzündung, Harninkontinenz, Gewichtsverlust und Rippenfrakturen kommen.“ Die höheren Kosten für den Kombinations-Impfstoff wiegen bei weitem das Risiko auf, dass nicht geimpfte Erwachsene womöglich Säuglinge anstecken, so Fölsch.

 

Quelle: M. M. Böhmer, W. Hellenbrand, D. Matysiak-Klose1, U. Heininger, S. Müters, O. Wichmann: Pertussis-Impfquoten bei Erwachsenen in Deutschland; Deutsche Medizinische Wochenschrift 2013; 138: 1451–1457

 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) 
www.dgim.de

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